My National Parks (1): Yosemite

High Sierra, Yosemite National ParkZum 100jährigen Bestehen der US National Parks werde ich an dieser Stelle Szenen und Geschichten aus meinen Besuchen in der verschiedenen Nationalparks quer durchs Land veröffentlichen. Den Anfang macht der Yosemite National Park in Californien. Er war auch einer der ersten Parks, die ich besucht habe.

Ich habe damals in einer Tent Cabin in „Curry Village“ übernachtet. Bei meiner Ankunft nachmittags hatte mir eine freundliche Mitarbeiterin ein Merkblatt fürs Camping im Park in die Hand gedrückt. Es enthielt unter anderem ausführliche, illustrierte Hinweise, wie Lebensmittel und Geschirr zum Schutz vor anwesenden Wildtieren (Bären!) in luftiger Höhe aufzubewahren seien – als Bündel an Baumästen zum Beispiel. Ein weiterer Satz war hervorgehoben: „Lassen Sie keine Lebensmittel im Zelt!“

Hörnchen erweisen sich als Feinschmecker

Meine doppelt in Plastik verscheißten, supermarktfrischen Cookies hielt ich nichts desto trotz für ungefährdet. Ein Irrtum, wie sich herausstellen sollte. Bei der Rückkehr von der Wanderung am nächsten Tag fand ich beide Packungen aus der Reisetasche entfernt, zackig aufgerissen, den Inhalt angefressen, die Reste zerbröselt am Boden. Die Bißspuren deuteten auf Hörnchen einer beliebigen, aber wohl extrem spürsinnigen Art hin.

Frische Luft im Frühjahr

Mein Besuch erfolgte Anfang Mai. Eine gute Zeit für den Yosemite, auch wenn in den höheren Regionen noch Straßen wie der Tioga Pass noch schneebedingt gesperrt und manche Ecken der Tuolumne Meadows noch schneebedeckt waren. Pflanzen und Bäume blühten in frischem Grün, die Luft war sauber und klar – entsprechend großartig und weitreichend die Ausblicke. Zudem war die Zahl der anderen besucher noch überschaubar und mancher Aussichtspunkt, selbst der beliebte Glacier Point, bot für längere Zeitspannen vollkommene Ruhe und Stille.

Erst dann werden einem die Dimensionen dieses Parks so richtig bewusst, der für manchen oberflächlichen Betrachter und Attraktions-Jäger nur aus dem spektakulären Überhang-Felsen „El Capitan“ besteht. Man lernt im Lauf von ein paar Tagen Aufenthalt übrigens schnell zu unterscheiden zwischen jenen, die dort nur mit Augen und Mund hinaufkommen, und jenen, die den Kraftakt tatsächlich unternommen haben. Es sind dies auch deutlich weniger.

Was heißt hier schon Zeit?

Was sich ebenfalls innerhalb kurzer Zeit veränderte, eigentlich schon in den Stunden des ersten Vormittags, waren die Pläne, die ich gefasst hatte angesichts der einladenden Beschreibungen verschiedener Pfade, Aussichtspunkte und Sehenswürdigkeiten. Selbst großzügig eingeplante ganze Stunden für einen Punkt erwiesen sich als nicht ausreichend, um die unendliche Abfolge von Eindrücken aufzunehmen, die sich aus dem Spiel von Licht, Wind und Natur ergaben.

Allein schon der Weg durchs Tal am Wasser entlang nimmt einen für einen ganzen Tag gefangen. Die knappe Meile vom Trailhead zum Taft Point erweist sich als so ergiebig, dass eine Halbtagestour daraus werden kann, genauso wie der Aufstieg zum Inspiration Point. Das Gute an diesen vergangenen Tagen: In der Kamera befand sich Film und kein Chip, weshalb die meisten Erinnerungen ganz bei mir sind.

Mammutbäume als Storyteller

Apropos: Wer den Yosemite aufsucht, der ist gut beraten, sich Zeit für die Mammutbäume zu nehmen, die Sequoias. Ich hatte immer noch das Foto aus dem Seydlitz-Bauer Erdkundebuch der Unterstufe in Erinnerung, das einen dieser Bäume zeigte, der an seinem Fuß von einem Reisebus durchfahren wurde. Dieses comic-gleiche „key visual“ wird von der Wirklichkeit um ein Vielfaches übertroffen. Diese Bäume sind in jeder Hinsicht groß, die Menschen klein.

Am meisten hat mich eine Holzscheibe beeindruckt, herausgeschnitten aus einem gefällten Riesen, die ungefähr 4.000 Jahresringe aufwies. In der Mitte markierte ein kleiner Nagel das Datum „Jesus born„. Man möchte nur zu gern dem lauschen, was diese Bäume zu erzählen haben. Womit sich der Besuch im Yosemite und dem benachbarten (und alles andere als nebensächlichem) Sequoia & Kings Canyon National Park nicht nur über Tage hinzöge, sondern über ein ganzes Leben.

Hinweis: Über all die Jahre habe ich, egal wie viele Nationalparks auf der Reiseplanung vorgesehen waren, stets den „Golden Eagle Pass“ gekauft, der jetzt etwas wortgewaltig „The America the Beautiful-The National Parks and Federal Recreational Lands Pass“ heißt. Die Ranger am Park Eingang wissen aber, was gemeint ist, wenn man nach dem „Golden Eagle Pass“ fragt. Für eine pauschale Summe öffnet er den Eintritt in alle Nationalparks im Lande.


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