Wo das Rancher-Herz höher schlägt

Man nennt sie die „Super Bowl of Cattle Shows“, die National Western Stock Show, die jedes Jahr im Januar in Denver über die Bühne geht. 2017 wird das zum 111. Mal geschehen.

National Western Stock Show_s_credits Steve CreceliusBegonnen hat alles anno 190 – und zwar als eine ganz normale Landwirtschaftsschau. Denver war damals schon Hauptstadt von Colorado, der Bundesstaat selbst genoss wegen seiner Bodenschätze ein gewisses Ansehen im Land, aber, mit Verlaub gesagt, in den Augen der Städter der Metropolen im Osten war es nichts weiter als ein Cowboy-Dorf. Dennoch: Rund 15.000 Besucher, manche von ihnen so weit angereist wie Chicago, Kansas City oder Oklahoma City, gaben sich während der sechstägigen Veranstaltung ein Stelldichein – und der „Grand Champion“-Bulle ging bei der Versteigerung mit 33 Cents pro (amerikanischem) Pfund weg – in heutiger Kaufkraft fast neun Dollar. Das waren beachtliche 23 Cent mehr als der durchschnittliche Marktpreis, notierte stolz der Chronist.

Wachsender Ruf, wachsender Teilnehmerzahl

Obwohl die anwesenden Rancher und Cowboys wohl damals schon nicht nur fachliches Interesse mitbrachten sondern auch den Wunsch nach Unterhaltung, sollte es noch 25 Jahre dauern, bis dann 1931 endlich erstmals ein Rodeo zusammen mit der Stock Show stattfand. Mit einem gesamten Preisgeld von 7.300 Dollar platzierte es sich umgehend in der Liga der bedeutenden Rodeos im Lande. Gleichzeitig wuchs auch der Anteil der Pferdewirtschaft an der Schau: In vielen der neu erbauten Pavillons, Hallen und Scheunen stellten Züchter aus der Region östlich der Rocky Mountains ihre Pferde vor und verkauften sie. Der Ruf der Schau wuchs, die Nachfrage auch. 1959 zum Beispiel kamen zu den Quarter Horses, Palominos und Arabern auch Appaloosas hinzu.

16 Tage voller Programm

Heute gilt die National Western Stock Show als die führende Veranstaltung ihrer Art. Nirgendwo sonst auf dem Planeten Erde kommen so viele Menschen zusammen – rund 700.000 jedes Jahr – um so viele Rinder und Pferde zu betrachten und zu handeln. Mit all dem Zubehörverkauf, mit den Präsentationen, Seminaren und Trainings, mit den Shows und Wettbewerben sind inzwischen 16 Tage mit einem Programm erfüllt, an dem nicht nur die Profis ihre Freude haben, sondern auch eine Vielzahl von Besuchern aus aller Welt, die ein Stück „Western Ranch“-Tradition hautnah erleben.

Bäuerliche Tradition bleibt lebendig

Auch etwas Anderes ist spürbar: Sozusagen als Konkurrenzangebot zur virtuellen digitalen Welt unserer Tage legt diese Schau alles daran, die bäuerliche Tradition der USA lebendig und begreifbar zu machen. Es gibt eine Unzahl von kleineren Veranstaltungen, um landwirtschaftliche Themen zu vertiefen oder an die Jugend heranzutragen – von der Bedeutung der Viehzucht und der Pferdezucht über die Arbeit auf Ranches und Farmen bis zum Tierschutz. „Wir zelebrieren die Lebensart des Westens, unsere Gemeinden und Organisationen und wir schaffen lang anhaltende Erinnerungen und Familientraditionen“, versprechen die Organisatoren.

Starterliste zeigt die Besten

Was das Western Reiten angeht, ist Denver jeden Januar „top notch“. Die Starterliste bei den Wettbewerben liest sich wie das Who-is-who der nordamerikanischen Szene. Dem entspricht auch die große Palette der Disziplinen: Cowboy Mounted Shooting, Ranch Rodeo, Cowboy Church, das RAM Invitational Freestyle Reining, eine Quarter Horse Show, eine Paint Horse Show, eine Team Penning Show, eine US Equestrian Federation Hunter/Jumper Show, eine Wild West Show, eine Reined Cow Horse Show oder ein „Evening of Dancing Horses“ begeistern die Herzen aller Pferdefreunde. Das Freestyle Reining, gewissermaßen die künstlerische Kür des Western Reitens, zählt nicht nur wegen seiner musikalisch untermalten Komposition zu den Favoriten des Publikums, sondern auch wegen der phantasievollen Kostüme der Teilnehmer. Beim berühmten Draft Horse and Mule Show, bei der mächtige Zugtiere ihr Können unter Beweis stellen, sorgt die bewegende Kombination aus Kraft und Eleganz für echte Hingucker.

Rinderherde zieht durch die Innenstadt

Eine Angelegenheit für sich ist die Parade zur Eröffnung der Show, bei der eine Herde Rinder durch die Innenstadt der „Mile High City“ zieht, wie Denver wegen seiner Lage auf rund 1.600 Metern Höhe genannt wird. Da kann es im Januar schon mal etwas „zapfig“ werden, wie’s im Alpenland heißt. Die Absagen wegen schlechten Wetters jedoch lassen sich an einer Hand abzählen.

Fundgrube fürs Zubehör

Zum Schluss noch ein Satz zur „Trade Show“, die das National Western seit jeher war: Hier kaufen sich nicht nur Rancher, Farmer und Cowboys neues Werkzeug, neue Arbeitskleidung oder neue Hausgeräte, hier finden sie, genauso wie Besucher, auch eine wahre Fundgrube an Kunst und Schmuck, an Stiefeln, Hüten, Gürteln oder Sätteln. Schließlich wollen die Preisgelder ja wieder ausgegeben werden…


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