My National Parks (2): Yellowstone

Zum 100jährigen Bestehen der US National Parks veröffentliche ich an dieser Stelle Szenen und Geschichten aus meinen Besuchen in der verschiedenen Nationalparks quer durchs Land. Diesmal geht es um den Yellowstone, erster Teil. Die Besuche dort haben mich fürs Leben geprägt.

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Bisons sind überall im Yellowstone National Park anzutreffen. Wer ihnen begegnet: „Vorfahrt gewähren!“ (c) Ulrich Pfaffenberger

Zwei länger dauernde Besuche haben mich jeweils im späten Frühjahr in den Yellowstone geführt. Eine gute Zeit, um diesen Urvater aller Nationalparks zu besuchen. Dann, wenn die Natur aus dem langen Winter erwacht ist, wenn die Bäche und Flüsse reichlich Wasser führen und wenn man sich mit den anderen Reisenden noch nicht auf die Füße tritt.

Schwefelduft am Geysir

Vom ersten Besuch im Mai 1988 leben die Bilder noch immer in mir fort – und die Gerüche. Denn der markante Schwefelduft der Geysire wird schon kurz nach der Einfahrt in den Park, ich kam von West Yellowstone her, zum dauerhaften Begleiter. Während er sich draußen unter freiem Himmel auch schnell wieder verflüchtigt, hat er mich im „Old Faithful Inn“ überwältigt. „Wie in einer Streichholzschachtel“, dachte ich mir auf meinem Weg vom Empfang ins Zimmer über diese seltsam altmodischen Gänge mit den weiß lackierten Heizungs- und Wasserrohren, die vermutlich auch schon die Reisenden Anfang des Jahrhunderts beeindruckt hatten.

Holz – tot und lebendig

Die zweite intensive Geruchserinnerung hat mit Holz zu tun. So, wie es in der freien Natur wächst, so, wie es im Gebälk der hochaufragenden Lobby des „Old Faithful Inn“ und dem Rest des Gebäudes sowie in vielen anderen Objekten des Parks verbaut ist, und

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Nach den großen Waldbränden zeigte sich der Park im Frühjahr 1992 von einer Seite, die den Betrachter entmutigen konnte. (c) Ulrich Pfaffenberger

so, wie es im zentral gelegenen Kamin des Hotels knisternd verbrennt. Ich habe allerdings auch, beim zweiten Besuch 1992, vier Jahre nach dem großen Feuer im Park, an Resten der verkohlten Bäume geschnuppert – ein Duft von Bitternis, verbunden mit der Trauer um die zerstörten Pflanzen. Dazu gleich noch mehr.

Bisons als Wegbegleiter

Dann aber war dann auch noch der Geruch der Bisons, wenn sie als Herde sich ihren Weg durch den Park bahnen und dabei keine Rücksicht auf menschliche Pfade nehmen. Die Begegnung mit ihnen ist zeitlos und verblüffend zugleich. Auf Anhieb sind die Rangordnungen und Strukturen einer Herde erkennbar, egal wie groß sie ist. Manchmal rasten sie entspannt auf einer der anmutigen grünen Wiesen, von denen der Park durchzogen ist. Oft sieht man sie in gemächlicher Bewegung dem guten Futter nachwandern. Gelegentlich nutzen sie aber auch die Parkstraßen zur Fortbewegung, was ruckzuck zu massiven Staus führt – denn Anhalten und den Weg freimachen ist dann die beste Lösung.

Rußgetrübte Ausblicke

Die Bisons, so erfuhr ich, hatten die großen Waldbrände zwar mit Schrecken, sonst aber weitgehend unbeschadet überstanden. Die Herden jedenfalls schien sich ganz unverändert durchs Gelände zu bewegen. Der Anblick, den mir andere Teile des Parks nach den großen Waldbränden bot, hat mir zunächst einen gewaltigen Schrecken eingejagt. So viele rußschwarze Flächen. Ungezählte verkohlte Baumstämme, hingestreut wie ein hässliches Mikado. Anstelle des wilden, reichen Grüns war eine triste Wüste getreten.

Überlebenskünstler am Werk

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Keimzelle neuen Baum-Lebens: Kiefernzapfen auf verbrannter Erde im Yellowstone. (c) Ulrich Pfaffenberger

So schien es wenigstens. Einige Stunden später, nachdem ich mich an der Seite eines Parkbiologen durch die schlimmstens Brandzonen bewegt hatte, stellte sich die Geschichte allerdings ganz anders dar. Überall sproßen aus der Asche schon wieder Schößlinge der nächsten Baum-Generation für den Yellowstone. Manche Kiefern zum Beispiel verfügen über zweierlei Ausprägungen: einer für normale Zeiten, eine für Krisenphasen. Letztgenannte öffenen ihre samentragenden Zapfen nur nach Feuersbrünsten – und sichern so das Überleben.

Erst ganz klein, später riesig groß

So kam es, dass bald vor lauter grünen Hoffnungskeimen die Katastrophe ihren Schrecken verlor. Wo man auch hinsah, zeigte sich im Kleinen die Zukunft dieses großen Parks. Wobei, so der Biologe, die Gefahr noch nicht

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Keimzellen der Hoffnung: Der Park erholt sich nach der Katastrophe aus eigener Kraft. (c) Ulrich Pfaffenberger

gebannt war, suchten sich doch die vielen Tiere, die hier lebten, frische Nahrung und waren dabei auf das leckere Grünzeug in Fresshöhe besonders erpicht. Damals habe ich zum ersten Mal den Satz gehört, der mir später immer wieder begegnet ist, wenn es um Naturkatastrophen, insbesondere um Feuer, in Nationalparks ging: „Wenn wir der Natur ihren Lauf lassen, mag uns das aus Sicht des menschlich machbaren nicht optimal erscheinen. Es ist aber der ehrlichere Weg.“ So nachdrücklich wie damals ist mir das nie wieder vor Augen geführt worden.

In einer weiteren Folge über diesen Park werde ich auf die Geysire und den Yellowstone River eingehen.

Hinweis: Über all die Jahre habe ich, egal wie viele Nationalparks auf der Reiseplanung vorgesehen waren, stets den „Golden Eagle Pass“ gekauft, der jetzt etwas wortgewaltig „The America the Beautiful-The National Parks and Federal Recreational Lands Pass“ heißt. Die Ranger am Park Eingang wissen aber, was gemeint ist, wenn man nach dem „Golden Eagle Pass“ fragt. Für eine pauschale Summe öffnet er den Eintritt in alle Nationalparks im Lande.


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