Wie geschaffen für einen Film

San Francisco Streets Chinatown (c) Jerry Lee Hayes San Francisco CVB
Die Straßen von San Francisco, hier im abendlichen Chinatown, waren für Filme wie „Bullitt“ das perfekte Setting. (c) Jerry Lee Hayes, San Francisco Convention and Visitors Bureau

Sobald der Name „San Francisco“ fällt, haben die meisten von uns sofort ein Bild im Kopf: die Golden Gate Bridge. Wie der Eiffelturm in Paris, das Brandenburger Tor in Berlin, Big Ben in London oder die Oper in Sydney ist es ein ikonisches Bauwerk, das für die ganze Stadt steht. Rotorange Türme und Seile über blauem Wasser unter blauem Himmel – seit 80 Jahren unerkennbar. Glauben Sie mir bitte: Wer diese Brücke einmal zu Fuß überquert hat, dem fallen ganz andere Bilder ein. Vor allem aber wird er sich an das sanfte Braungrün der Hügel am Nordufer erinnern, eine warmherziger Landstrich, der dem „Golden Gate“ schon viel früher seinen Namen gab.

Wo „Monk“ und „Lieutenant Stone“ zuhause sind

Was aber auch passiert, wenn man ein bisschen länger nachdenkt: Es kommen einem auch noch andere Bilder in den Sinn. Bei den meisten ein Cable Car. Dann aber tauchen schon jene Szenen vor dem inneren Auge auf, die im Fernsehen oder im Kino unseren Eindruck von San Francisco geprägt haben. Aus jüngerer Zeit hat vor allem die Serie „Monk“ dazu beigetragen, auch wenn sie weitgehend auf Stereotype verzichtet hat. Was man von „Die Straßen von San Francisco“ nicht behaupten kann, weil vor Karl Malden und Michael Douglas stets Lombard Street im Vorspann die Neugier weckte auf „die kurvigstes Straße der Welt“.

Perfektes Setting für „Vertigo“

Unter den großen Titeln der Filmgeschichte hat sich besonders „Vertigo“ von Alfred Hitchcock mit der Stadt an der Bay verbunden. Seit der Film 1958 in die Kinos kam, transportiert er ein Bild von San Francisco ins öffentliche Bewusstsein, dass so gar nicht deckungsgleich ist mit dem sonnigen Flower-Power-Image, das sonst so gern nach vorne drängt. Die beiden Autoren Jeff Kraft und Aaron Leventhal haben in ihrem Buch „Footsteps in the Fog“ notiert, Hitchcock habe die Stadt als idealen Schauplatz eines mörderischen Krimis geschätzt: „San Franciscos hoch aufragende Gebäude, die gewundenen Treppenhäuser, die dramatischen Brücken schufen eine ideale Kulisse für Vertigo … der einzigartige Charakter der Stadt in Verbindung mit Hitchcocks außergewöhnlicher Fähigkeit unheimliche Geschichten zu stricken ließen einen Film von brillianter psychologischer Spannung entstehen“, schrieben sie. Dass der Regisseur mit der historischen Mission San Francisco de Asis auch das älteste Gebäude der Stadt und damit auch ihren Ursprung in seinen Plot integrierte, macht die Geschichte noch vielschichtiger.

Steile Strecken für „Bullitt“

Neben den Szenen aus „Basic Instinct“, „Die Körperfresser kommen“, „Liebling, hältst du mal die Axt?“, „Das Streben nach Glück“ oder „Milk“ hat sich vor allem Peter Yates‘ „Bullitt“ ins cineastische Gedächtnis eingegraben. Vor allem die dramatischen Verfolgungsjagden über die steilen Straßen der Stadt, bei denen Steve McQueen seinem Mustang das Äußerste abverlangt, gehören bis heute zu den unübertrefflichen Standards von Kameraführung und Regie im Genre „Actionfilm“, auch wenn sie schon 49 Jahre alt sind. Dieser Zeitraum macht die Filme über ihren eigentlichen Zweck hinaus noch zusätzlich wertvoll – als Dokumente der Zeitgeschichte, kleine Archive und Rückblicke voller Leben. Zu diesem Zeitpunkt drängte sich auch der Embarcadero Freeway noch ins Stadtbild und stellte die „Waterfront“ buchstäblich in den Schatten; nach dem Loma Prieta-Erdbeben 1989 sah die Szenerie dann ganz anders aus, als das angegriffene Straße-Bauwerk abgerissen werden musste.

Trügerisches Idyll im legendären Nebel: Die Gefängnisinsel Alcatraz vor der Silhouette der Skyline von San Francisco. (c) Phil Coblentz, San Francisco CVB
Trügerisches Idyll im legendären Nebel: Die Gefängnisinsel Alcatraz vor der Silhouette der Skyline von San Francisco. (c) Phil Coblentz, San Francisco CVB

Realität ist schauriger als jeder Film

Mit „Der Gefangene von Alcatraz“ mit Burt Lancaster und „Die Flucht von Alcatraz“ mit Clint Eastwood, beide von tatsächlichen Vorkommnissen inspiriert, sowie eine ganze Reihe weiterer Filme, die mit dem Mythos des Hochsicherheitsgefängnisses spielen, haben „The Rock“ zu einer schaurig-attraktiven Sehenswürdigkeit werden lassen. Man sollte die Überfahrt dorthin nicht an einem windstillen, sonnigen Tag unternehmen, sondern bei rauhem Wetter und sich dann auch das kabbelige Wasser der Bay hinausdenken, um die Bedrohlichkeit dieses Ortes für die Häftlinge zu empfinden. Die Gefühle dann sind in der Regel ein ordentliches Stück schauriger, als es sich ein Regisseur einfallen lassen kann.


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