Die glorreichen Zehn

Westernreiten ist nicht nur eine Sportart, es ist eine Kultur – genauso vielfältig und abwechslungsreich wie das Leben und die Geschichte der Cowboys. Anlässlich der „Americana 2017“ habe ich für den Reiterkurier eine Reihe von Orten in den USA zusammengestellt, an denen sich diese Kultur hautnah erleben lässt.

Stilleben mit Cowboy und Pferd in den Flint Hills von Kansas. (c) www.travelksok.de
Stilleben mit Cowboy und Pferd in den Flint Hills von Kansas. (c) http://www.travelksok.de

Wer heute durch die Straßen der beschaulichen Kleinstadt Abilene schlendert, kann sich kaum vorstellen, dass dieses Prärienest im zentralen US-Bundesstaat Kansas einmal als das „verruchteste Dorf im Wilden Westen“ galt. Doch betrachtet man den heuer angelaufenen Retro-Westernfilm „Hickok“ von Timothy Woodward Jr., mit Luke Hemsworth, Kris Kristofferson und Trace Atkins in den Hauptrollen, begegnet man der ebenso farbenfrohen wie kurze Zeitspanne, während der dieser Ort im Rampenlicht stand: Zwischen 1867 und 1871 drängelten sich bis zu 5.000 Cowboys im Jahr auf den staubigen Straßen und brachten ihren Lohn in Saloons und Bordellen durch. Es muss drunter und drüber gegangen sein und legendäre Revolverhelden wie „Wild Bill“ Hickok wurden engagiert, um für Recht und Ordnung zu sorgen. Im Mittelpunkt des neuen Westernfilms steht eine Episode aus dem Leben Hickoks, der 1871 für einige Monate in Abilene als marshal fungierte.

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Die Wurzeln von Dodge City in Kansas reichen zurück ins Jahr 1871, als eine erste Ranch entstand und ein Jahr später ein gewisser George Hoover begann, in seinem Saloon Geschäfte mit auf dem Santa Fe Trail vorbeiziehenden Händlern und Soldaten vom nahen Fort Dodge zu machen. Doch erst die Ankunft der Eisenbahn sorgte für Aufschwung: Zunächst wurden Bisonfleisch und -felle von der als „Buffalo City“ bekannten Stadt nach Osten verschickt, dann wurde Dodge City zu einer der wichtigsten Rinder-Verladestationen im Westen. Jedes Jahr Ende Juli, Anfang August erinnern die Dodge City Days an diese Zeit und rücken Cowboys und ihre Pferde für eine gute Woche in den Blickpunkt des Geschehens.

 

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Wer die Westernkultur und Wildwestromantik liebt, ist beim Cowboy Poetry Gathering genau richtig. Das Festival findet alljährlich Ende Januar in Elko in Nevada statt. Freunde der Cowboykultur, Wildwestpoesie und Countrymusik sollten sich den Termin vormerken. Das Festival hat inzwischen eine bereits ansehnliche Tradition. Im Jahr 1985 fand sich erstmals eine kleine Gruppe Folkloristen und Poeten zusammen, um gemeinsam die Cowboykultur zu feiern. Seitdem ist das Festival über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Vom US Senat bekam es den Namen Cowboy Poetry Gatheringdie meisten Fans nennen das Festival einfach nur nach der Stadt, in der es stattfindet: Elko. Das Ziel des Western Folklife Center, Veranstalter des Festivals, ist es seinen Besuchern eine unterhaltsame, behutsame und wissenswerte Auseinandersetzung mit der Cowboykultur zu bieten. So werden in den ersten Tagen des Festivals Poesie- und Musikworkshops angeboten, um die Kultur besser kennenzulernen.

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Cowboykultur steht auch jeden Herbst in Fort Worth in Texas beim Red Steagall Cowboy Gathering & Western Swing Festival im Mittelpunkt. Vor den Veranstaltungen gibt es einen mehrtägigen Cattle Drive von Jacksboro nach Fort Worth. In den folgenden Tagen erleben Besucher zahlreiche Veranstaltungen wie Country-Musik oder Cowboy Poetry; dazu gehört auch ein umfangreiches Angebot für Kinder und Jugendliche. Zu den Zuschauermagneten gehören das „Chuckwagon Cookoff“ und das „Team Roping“ im den historischen Stockyards von Fort Worth.

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Cowboys und Revolverhelden prägen das Bild vom amerikanischen Westen. Seit mittlerweile 13 Jahren ist in weiten Teilen des USA – in 13 von 50 Bundesstaaten, darunter Kansas und Oklahoma – der dritten Juli-Samstag ein offizieller Feiertag. Am National Day of the Cowboy wird an die Bedeutung der „Viehhirten“ erinnert und es finden landesweit Veranstaltungen statt, die die „Cowboy Culture“ hochhalten. Die „Cow Punchers“ – mit breitkrempigem Hut, hohen Stiefeln, buntem Halstuch, breiten Chaps und silbernen Sporen – standen von den 1860er- bis 1880er-Jahren im Rampenlicht der Weltgeschichte, als sie rund 20 Millionen Rinder, meist Longhorns, aus Texas hinauf in den Norden, zu den Bahnhöfen in Kansas und weiter nordwärts trieben.

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"Time of Survival" ist der Titel dieses Gemäldes aus der Ausstellung "Cowboy Crossings" in Oklahoma City. (c) Travel KSOK
„Time of Survival“ ist der Titel dieses Gemäldes aus der Ausstellung „Cowboy Crossings“ in Oklahoma City. (c) Travel KSOK

„Cowboy Crossings“ heißt einer der ungewöhnlichsten, gleichwohl hoch angesehenen in der Welt der Kunst und des Kunsthandwerks im Western-Stil. Immer Anfang Oktober ist diese Ausstellung im National Cowboy Museum in Oklahoma City zu sehen, das auch sonst zu den besonders besuchenswerten Orten für alle gehört, denen die Kultur des „Wilden“ Westens am Herzen liegt. Neben Malerei, Zeichnungen und Skulpturen sind auch Spitzenleistungen zum Beispiel von Sattelmachern oder Silberschmieden zu sehen. Die Exponate sind bis weit in den Herbst hinein zu betrachen, manche sogar bis zur Jahreswende.

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Arizonas Norden ist berühmt für die imposanteste Felsenschlucht der Welt: den Grand Canyon, dessen größter Teil zum Grand Canyon Nationalpark gehört. Verschiedene Aussichtspunkte am Nordrand (North Rim) oder Südrand (South Rim) der Schlucht bieten einen atemberaubenden Anblick. Richtig nahe kommt man den hunderte von Millionen Jahren Erdgeschichte des Canyons aber erst, wenn man sich in ihn hineinbegibt. Entweder über ausgewiesene Trekkingwege oder auf geführten Reittouren.

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Ein Fakt, der meistens irgendwo im Kleingedruckten der Geschichtsbücher versteckt ist und so ganz und gar nicht dem Klischeebild vom Cowboy entspricht, das durch unzählige Hollywood-Filme geprägt wurde: Ungefähr ein Drittel der Cowboys, die bei den großen Cattledrives im 19. Jahrhundert im Sattel saßen, waren afroamerikanischer Herkunft. Ihr Geschichte wird erzählt – und ihr Erbe in Ehren gehalten im Black American West Museum & Heritage Center in Denver, der Hauptstadt Colorados. Der bekannteste dieser Cowboys war Bill Picket, von dem es einige Exponate zu sehen gibt. Ebenfalls interessant: Das Gebäude, in dem das Museum untergebracht ist, gehörte einst Dr. Justina Ford, der ersten schwarzen Ärztin in Denver.

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Kentucky ist der „Pferdestaat“ schlechthin im Herzen der USA. In die Öffentlichkeit dringt dies am ehesten über die bekannten Pferderennen, für Pferdefreunde viel ergiebiger sind aber die zahlreichen Ställe im Land, die für ihre Vollblutzucht bekannt sind. Diese sogenannten Thoroughbred farms haben zwar keine öffentlichen Besuchszeiten, öffnen ihre Tore aber doch immer wieder gern für Reisende oder Besuchergruppen.

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Was dem Allgäuer der "Viehscheid", ist dem Cowboy von South Dakota der "Buffalo Round Up". (c) travelsouthdakota.com
Was dem Allgäuer der „Viehscheid“, ist dem Cowboy von South Dakota der „Buffalo Round Up“. (c) travelsouthdakota.com

Das „Buffalo Roundup“ im Custer State Park von South Dakota ist nicht nur wegen der beeindruckenden Zahl von rund 1.300 Bisons ein besonderes Erlebnis, die da Ende September beim jährlichen „Viehscheid im Cowboy-Stil“ zusammengetrieben werden. Es ist auch das pure Vergnügen, bei dieser Gelegenheit einmal live und in Farbe mitzubekommen, wozu so etwas wie „Fencing“ nützlich ist (und zu welchen Kraftausdrücken die Leute im Sattel fähig sind, wenn der wilde Bison sich allen Bemühungen widersetzt). Die Atmosphäre beim anschließenden gemeinsamen Barbeque und auf dem weitläufigen Markt- und Festivalgelände ist die lange Anreise auf jeden Fall wert.


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